Gruner, Kuhla et al.: Befreiungsbewegung für Männer

eine Rezension von Dr. Bruno Köhler

Warum ein Buch, das eine Befreiungsbewegung von Männern propagiert? Sind Männer nicht frei?
Geschlechterpolitik ist auch heute noch eine reine Mädchen- und Frauensubventionierungs- und eine Jungen- und Männersanktionierungspolitik. Jungen und Männer tauchen im Geschlechterdiskurs nur als Faktor der Behinderung von Mädchen und Frauen auf, oder man sieht sie als Faktor der Frauenförderung. So werden von staatlicher Seite Putz- und Bügelkurse für Jungen bezahlt und prämiert. Welche Bildungsabschlüsse Jungen haben, ist der Politik egal, solange sie tüchtige Hausmänner werden. Väter interessieren nur da, wo sie die Partnerin entlasten können. Geht die Partnerschaft aber in die Brüche, kann den Vätern das Kind schneller entrissen werden, als man das Wortungetüm „Gender Mainstreaming“ ausspricht. Und trotz massiver Patriarchatskritik hat offensichtlich niemand der Kritiker/innen etwas dagegen, dass Männer ruhig weiter alleine die partiachale Drecksarbeit – sprich Zwangsdienste – tun dürfen.
Eine Geschlechterpolitik, die diese Zustände toleriert oder gar fördert, ist keine Basis für eine echte Gleichberechtigung. Eine Befreiungsbewegung für Männer tut also Not. Paul-Hermann Gruner und Eckhard Kuhla wollen mit ihrem Buch Männer ermutigen, selbstbewusst ihre Belange zur Sprache zu bringen, denn nur wenn Männer beginnen, sich zu wehren, werden ihre Anliegen wahrgenommen.
Das Buch stellt sich dieser großen Herausforderung, indem es eine Vielzahl renommierter Autoren und Autorinnen zu Wort kommen lässt, die schon seit Jahren auf die berechtigten Anliegen von Jungen, Vätern, Männern hinweisen und diese zur Sprache bringen, z.B. Prof. Gerhard Amendt, Warren Farrell, Karin Jäckel, Arne Hoffmann, Klaus Hurrelmann, Beate Kricheldorf, Mathias Stiehler, Astrid von Friesen, Hans-Joachim Lenz. Allein schon die Auswahl dieser Namen zeigt, dass das Buch auf hohem Niveau ansetzt. Allerdings kommen gerade die Vereine, die seit Jahren die Benachteiligungen von Jungen und Männern öffentlich anprangern, nicht zu Wort, z.B. MANNdat und der „Väteraufbruch für Kinder“. Gerade deren Erfahrung bei ihren Bemühungen, über jungen- und männerrelevante Themen mit der Politik in Dialog zu treten, wären interessant gewesen. Dies zeigt, dass das Thema mit dem Buch noch nicht erschöpft ist – Potenzial für weitere Autoren.
Die besondere Bedeutung des Buches liegt darin, dass das Buch nicht nur eine Sammlung von Beiträgen zu dem Thema sein will. Die Autoren verstehen sich vielmehr auch als einen losen Verbund von engagierten Personen mit dem Ziel, die Männeremanzipation voranzutreiben.
Das Buch deckt einen weiten Teil der Themenbereiche ab, mit denen sich eine Befreiungsbewegung für Männer auseinandersetzen muss. Allerdings wird die Problematik der Trennungsväter bestenfalls am Rande erwähnt. Wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte der Väter nach einer Trennung den Kontakt zu ihren Kindern nahezu vollständig verliert – viele davon unfreiwillig –, ist dies natürlich ein wichtiger Ansatzpunkt. Weiterhin vermisst man einen Beitrag über Männerzwangsdienste, der in einem Buch über die Befreiung der Männer eigentlich nicht fehlen sollte. Hier wird die Zuschreibung festzementierter archaischer Männerrollenbilder – also die Unfreiheit – sogar schon im Grundgesetz festgeschrieben.
Trotz der beschriebenen Mängel ist das Buch eine Bereicherung der geschlechterpolitischen Diskussion und ein sehr wichtiges Buch für die befreiende Männerbewegung, gerade weil sie viele, dieses Thema prägende Persönlichkeiten zu Wort kommen lässt. Männer müssen sich ihrer Ohnmacht bewusst werden und den Mut gewinnen, sich gegen ihre Benachteiligungen offen zur Wehr setzen. Eine echte Geschlechterdemokratie kann es nur geben, wo auch Männer gehört werden. Das Buch ist somit geeignet, gerade Einsteigern in das Thema einen Überblick zu geben und die Schwierigkeiten aufzuzeigen, mit denen eine Befreiungsbewegung für Männer zu kämpfen hat.
Dabei bleiben die Autoren und Autorinnen angenehm sachlich. Da das Buch aber durchaus auch feminismuskritische Ansätze diskutiert, wird es sicherlich in feministischen Kreisen auf ablehnende Kritik stoßen. Dies liegt aber nicht an mangelnder Sachlichkeit des Buches, sondern eher an der charakteristischen Intoleranz des real existierenden Feminismus gegenüber Andersdenkenden. Es gehört zu einem wichtigen Schritt auf dem Weg zur Befreiung des Mannes, selbstbewusst feministische Dogmen zu hinterfragen.

Zu verschiedenen Einzelbeiträgen:

Gerhard Amendt beschriebt treffend ein Grundproblem der Geschlechterpolitik – die Opferverliebtheit und die Männerfeindlichkeit des Feminismus.

Passend dazu zeigt Karl-Heinz van Lier die Geschichte des „Gender Mainstreaming“ auf und legt dar, warum es entgegen seinem eigenen Anspruch in der Praxis lediglich eine rigorose Ausrichtung der Politik auf die Frauenquote ist. Unverblümt entlarvt er die Lüge von einer Geschlechterpolitik, die auch die Anliegen von Jungen und Männern berücksichtigen würde. Und er zeigt auch das mütterfeindliche Bild des Feminismus. Welche Frau weiß denn schon, dass eine Forderung Simone de Beauvoirs war, Frauen das Recht zu nehmen, zwischen Kind und Beruf zu wählen?

Karin Jäckel darf natürlich in einem Buch über eine befreiende Männerbewegung nicht fehlen. Sie ist eine der prägendsten Persönlichkeiten der Väterbewegung der ersten Stunde. Vielen Männern und Vätern in der Männerbewegung wurden durch ihre grundlegenden, ja geradezu revolutionären Arbeiten die Augen geöffnet, für ihre Machtlosigkeit im Familienrecht und in der Familienrechtspraxis.

Susanne Kummer beklagt die Radikalität, die die Geschlechterpolitik mittlerweile genommen hat und die die Geschlechter einfach abschaffen möchte.

Astrid von Friesen sieht die zunehmende Empathielosigkeit gegenüber Jungen und Männern als eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung, die Männern wie Frauen schaden wird. Sie fordert, auch männliche Opfer als solche zu akzeptieren und sie geschlechterpolitisch in den Blick zu nehmen.

Arne Hoffmann beschreibt die kritische Arbeitsmarktsituation von Männern, insbesondere im Hinblick auf die Zukunftsperspektiven von männlichen Jugendlichen. Er belegt die Kurzsichtigkeit des Staates, wenn er diese Problematik weiterhin nur als positive Rückmeldung der Frauenförderung wahrnimmt.

Ein Interview mit Klaus Hurrelmann deckt das wichtige Thema „Jungen“ ab. Einer seiner wichtigsten Erkenntnisse: Es fehlt der Druck auf die Politik, um an der Bildungsmisere von Jungen etwas ändern zu können. Hier bedarf es einer Lobby für Jungen, die sich für ihre Zukunftsperspektiven einsetzt.

Sehr interessante Aspekte bringt auch der Beitrag von Beate Kricheldorf, die sich mit dem geschlechterpolitischen Tabuthema Nr. 1 auseinandersetzt – weibliche Täterschaft bei häuslicher Gewalt.
Im Gespräch mit Christine Bauer-Jelinek hinterfragt sie die gängigen feministischen Dogmen, die heute unhinterfragt Allgemeingut geworden sind . Die selbstverordnete Gleichschaltung der Medien ist nach ihrer Ansicht ein deutlicher Beleg für die Hegemonie des Feminismus.

Ein weiterer Beitrag von Arne Hoffmann führt uns zu den Auswüchsen feminisierter Sprache und zeigt dazu noch die typische Tunnelblicklogik des Trivialfeminismus auf. Eine Abhandlung, die dieses Thema treffend analysiert.

Immer wieder faszinierend zu lesen ist Warren Farrell, die Leitfigur der Männerbewegung in den USA. Sein Betrag ist auch deshalb ein großer Gewinn für das Buch, weil er zeigt, dass die Problematik sich nicht nur auf Deutschland oder Europa beschränkt. Wie kaum ein anderer kann er, der früher in der Frauenbewegung führend engagiert war, die Doppelmoral der Geschlechterpolitik entlarven. Er fordert das Wahlrecht auch für Männer, also das Recht für Männer, ebenso zwischen Kind und Beruf wählen zu dürfen wie Frauen.

Mathias Stiehler zeigt offen und unverblümt das Desinteresse der Gesundheitspolitik am Thema Männergesundheit auf und Marc Luy erläutert seine berühmte Klosterstudie, die belegt, dass die derzeitige Differenz in der Lebenserwartung zwischen den Geschlechtern nicht nur biologisch bedingt ist.

Hans-Joachim Lenz war einer der Autoren der Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“. Das Stoppen der Studie (eine Hauptstudie wurde nicht durchgeführt) zeigt deutlich, mit welcher politischen Macht gegen wissenschaftlich Arbeiten angegangen wird, die sich nicht der politischen Korrektheit, sondern der Wahrheit verschrieben haben.

Claudia Fischer redet mit sich selber und regt an, Computerspiele für Jungen nicht nur zu verteufeln, sondern sie als positive Chance zu sehen. Ein Ansatz, der in der öffentlichen Diskussion ohne Frage zu kurz kommt und längst schon untersucht bzw. genutzt werden müsste.

Was der Beitrag von Markus Theunert in einem Buch über die Befreiungsbewegung für Männer zu suchen hat, ist unverständlich. Theunert sieht zwar durchaus die Erfordernis, auch die Benachteiligungen und Nachteile von Jungen und Männern zu thematisieren, jedoch nur nachrangig. Nach seiner Auffassung hat eine Männerpolitik vorrangig Männlichkeitskritik zu üben. Er erkennt nicht, dass gerade dieses Unterwerfen unter die Buhmannrolle, die der Feminismus dem Mann zugewiesen hat, verhindert, auch berechtigte Anliegen und Belange von Jungen und Männern, wie z.B. Gewalt gegen Männer, die Bildungsdiskriminierung von Jungen oder die Vernachlässigung von Männergesundheit in der Gesundheitspolitik, zu thematisieren. Kritik am eigenen Geschlecht ist ohne Frage wichtig. Sie darf aber nicht dazu führen, Männer zu hemmen, laut und offen ihre berechtigten Anliegen zu fordern. Aber genau diese Hemmung kennzeichnet die derzeitige „kritische“ Männerbewegung. Wenn sich Männer freiwillig und bereitwillig in die Rollengefängnisse, die ihnen der Feminismus zugewiesen hat, begeben, hat dies vielleicht etwas mit Bewegung zu tun, aber definitiv nichts mit Befreiung. Theunert spricht damit einer eher einengenden Männerbewegung das Wort. Dieser Beitrag ist deshalb in diesem Buch deplatziert.

Auch der Beitrag von Wolfgang Schmidbauer wirkt etwas fremd. Das Thema „Schütteltrauma bei Kindern“ ist ohne Frage interessant. Sicher kann dies auch mit der Überforderung von Eltern in Zusammenhang gebracht werden. Dies vorrangig als Väterthema zu sehen, wirkt aber doch sehr konstruiert. Aber der Beitrag ist nur kurz und kann deshalb auch als retardierendes Moment gesehen werden, obwohl dieses Stilmittel in einer Sammlung von Essays und Analysen eher ungewöhnlich ist.

Martin Verlinden beschreibt in seinem Beitrag, dass Gewerkschaften, Betriebe, Politik, Ministerien und Kommunen kaum sensibilisiert sind für Väteranliegen und fordert Väterbeauftragte. Das deckt sich mit unserer Erfahrung, dass Politik und Gesellschaft eigentlich gar nicht wissen, wie Väter sind, geschweige denn, welche Bedürfnisse diese haben.

Eckhard Kuhla erzählt, wie er über eine Vielzahl von Instanzen scheitert, als er einen Männerbeauftragten in seiner Kommune etablieren möchte. Erfahrungen ähnlicher Art konnten wir schon zur Genüge machen. Gleichstellungsbeauftragte könnten die wenigen Männer- und Jungenanliegen mitmachen, meinen die Verantwortlichen. Ein Trugschluss, wie die Praxis zeigt. Die meisten Gleichstellungsbeauftragten interessieren sich gar nicht für die Anliegen von Jungen oder gar Männern.

Bleibt zum Schluss der Wunsch, dass die Autorengruppe größer wird und ihre Anliegen bei den wichtigen Leuten in Politik und Gesellschaft Gehör finden. Wir werden sie gerne dabei unterstützen.


Arne Hoffmann: Rettet unsere Söhne

eine Rezension von Torsten Herwig

Wieder einmal beweist Arne Hoffmann mit diesem Werk sein Gespür für brisante Themen und seine Fähigkeit, akribisch jedes noch so kleine Detail in dem täglichen Wust an Medienberichten aufzuspüren. Seine Argumentation baut wie immer auf einem breiten Fundament belegbarer Fakten auf. 311 Quellbelege für ein 208 Seiten-Buch sprechen für sich.
In „Rettet unsere Söhne“ nimmt er gezielt die Lage der Jungen und deren Benachteiligungen durch Politik und Schulwesen zur Brust und belegt sie Punkt um Punkt. Er schlüsselt die katastrophalen Ergebnisse der PISA-Studien auf, zeigt die Zahlen der Geschlechterverteilung in den verschiedenen Schulsystemen, die seit Jahren alarmierend stetig steigende Zahl vorwiegend männlicher Schulabbrecher, die nachgewiesen schlechtere Notenvergabe an Jungen bei gleicher Leistung im Vergleich zu Mädchen, sowie die daraus resultierenden Folgen für junge Berufsanfänger am Arbeitsmarkt auf.
All das lässt den Leser des Buches nicht kalt. Zuweilen gestaltet sich die Lektüre als ein Wechselbad der Gefühle, stetig schwankend zwischen ungläubigem Staunen und erbostem Zorn ob der teilweise skandalösen Diskriminierungen.

Arne Hoffmann erörtert des weiteren die Ursachen all dieser Missstände und beweist die eindeutig gewollte "positive" Diskriminierung von Jungen durch die Politik, welche von einer feministisch durchdrungenen Medienbranche noch unterstützt wird. Er demaskiert ein Bildungswesen, welches nicht nur ausschließlich "weibliche" Eigenschaften positiv betrachtet (und vorsätzlich besser benotet), sondern "männliche" Verhaltensweisen heranwachsender Jungen bewusst abstraft. Die Folgen für das Selbstbewusstsein sowie das Selbstverständnis von Jungen sind dramatisch. Verkannt, unverstanden, mit ihren Problemen allein gelassen und generell als defizitär betrachtet und behandelt, wenden sich unsere Jungen von Schule und Bildung ab. Der Frust im Alltag entlädt sich in erhöhter Gewaltbereitschaft, welche sie wiederum in der öffentlichen Wahrnehmung in ein schlechtes Licht rückt.

All das bleibt nicht ohne Folgen: so erfährt man, dass die Wirtschaft im Juni 2008 im Zweiten Nationalen Bildungsbericht der Kultusminister offiziell jeden vierten Jugendlichen für nicht ausbildungsfähig hielt.
Doch trotz der desolaten Lage am Arbeitsmarkt und bei Schulabschlüssen von Jungen steuert unsere Politik auch weiterhin mit voller Fahrt in Richtung einseitiger Mädchenförderung. Diese lässt sich der Bund mit prall gefüllten Budgettöpfen für den Girls‘ Day einiges kosten. Währenddessen gibt es für Jungen nicht eine einzige Alternative, und das obwohl sie seit Jahren als Bildungsverlierer benannt werden. Es interessiert nur niemanden.
Das einzige Projekt "Neue Wege für Jungs" ist jedoch ein Wolf im Schafspelz, denn Hoffmann belegt auch hier wieder, dass der Fokus dieses Projektes auf "Sozialisation" liegt. Mit anderen Worten: Mädchen werden gefördert, Jungs werden umerzogen.

Doch warum geschieht all dies von der breiten Öffentlichkeit nahezu unbemerkt? Wieso muss erst der Amoklauf in Winnenden die Leute aufrütteln, bis sich in den Medien überhaupt einmal nennenswerte Berichte zur Jungenbenachteiligung finden?
Arne Hoffmann bringt auch hier geradezu ungeheuerliche Fakten aufs Tapet. Dass der Großteil der Medienbranche politisch eher linksgerichtet ist und damit eher dem feministischen Weltbild nahe steht, ist kein Novum. Dass allerdings Mitarbeiter des Bildungsministeriums Artikel für die großen Magazine schreiben, welche selbige unwidersprochen und ungeprüft abdrucken, dürfte nicht allzu bekannt sein. Hier wird die Unabhängigkeit der Presse auf dem Altar der Bequemlichkeit und der Politischen Korrektheit geopfert, und die Zukunft unserer Jungen gleich mit.

Hoffmann legt allerdings nicht nur die Fakten dar und ergründet deren Ursachen. Er legt einen 10-Punkte-Plan vor, in dem er zu den wichtigsten und dringendsten Missständen eine Kurskorrektur fordert und anschaulich darlegt, wie diese erfolgen sollte.
Selbstverständlich ist dies nicht der Stein der Weisen, das ist auch Hoffmann klar, aber es ist ein Ansatzpunkt zur langfristigen Behebung der herrschenden Probleme und zur Verhinderung eines eventuellen Backlash. Dass der nicht einmal so unwahrscheinlich ist, belegen die ins Buch integrierten Originalzitate junger Männer aus Leserbriefen und Mails. Es brodelt in unserer Jugend. Deswegen muss schleunigst gegengesteuert werden!

Anlass zur Kritik an seinem Werk lässt Hoffmann recht wenig aufkommen. Etwas ausführlicher hätte allerdings der Aspekt der Gesundheit von Jungen und jungen Männern behandelt werden können. Auch wenn er nicht zum Kernthema des Buches, der Bildungssituation, gehört, so spielt er dennoch mit hinein, und so mancher Tatbestand hat es verdient, mehr öffentliche Beachtung zu finden. So etwa der Hodenkrebs, häufigste Krebsart bei jungen Männern, für den es nach wie vor keine gesetzliche Vorsorgeuntersuchung gibt.
Junge Mädchen werden ab der Pubertät auf monatliche Frauenarztbesuche getrimmt und bekommen dadurch ein spezielles Vorsorgebewusstsein für ihre Gesundheit. Ein Pendant für Jungen gibt es schlicht nicht. Somit verwundert auch nicht, dass Männer sich nach wie vor kaum dem Stellenwert ihrer Gesundheit bewusst sind, sie wurden ja nie für dieses Thema sensibilisiert. Somit ist es auch kein Wunder, dass Männer noch heute im Schnitt sechs Jahre früher sterben als Frauen.

Abgesehen von diesem fehlenden Detail kann „Rettet unsere Söhne“ nur jedem ans Herz gelegt werden, der Kinder hat oder sich für Geschlechterpolitik interessiert.
Für Pädagogen, Politiker und Mitarbeiter der Medienbranche gehört es zur Pflichtlektüre.

Wolfgang Bergmann: Kleine Jungs - große Not

Wolfgang Bergmann ist Kinder- und Jugendpsychologe und in der Buchszene kein Unbekannter. Zahlreiche Bücher zum Thema Kinder in der heutigen Mediengesellschaft hat er schon geschrieben. Es ist deshalb nicht überraschend, dass sich der Autor in einer Zeit, in der Jungen auf Bildungsverliererkurs sind, mit der Situation von Jungen beschäftigt.

Es ist kein „schnelles“ Buch. Wer sich damit beschäftigen will, muss sich Zeit nehmen. Es hat keinen Sinn, das Buch zu überblättern, nur um die Tipps des Psychologen zur erfolgreicheren Erziehung zu lesen. Die Empfehlungen, die der Autor am Ende des Buches gibt, sind nämlich teilweise überraschend. Sie bedürfen der Erläuterungen im zuvor Geschriebenen. Aber wer sich die Zeit dafür nimmt, wird belohnt mit einem fundierten Blick in die Psyche der Jungen – und einen Blick in die Psyche unserer Gesellschaft. Manche Stellen, die für Nichtpsychologen vielleicht doch etwas zu psychologisch referiert sind, tun dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Ganz bewusst distanziert sich der Psychologe von den auf das allabendliche Fernsehprogramm zugeschnittenen „Erziehungstricks“. Das Supernanny-Format wird ebenso intelligent-satirisch durch den Kakao gezogen wie kitschige, weil realitätsferne Vater-Sohn-Vorstellungen in der Familienpolitik.

Sehr eindrucksvoll und nachvollziehbar wird anhand von Beispielen auch der Vergleich zwischen der Familie von früher und der Familie von heute und deren Einfluss auf die Jungen geschildert, ohne in Sentimentalitäten oder verklärten Kitsch auszuarten.

Es ist eine der Stärken des Buches, dass Wolfgang Bergmann in seiner ihm typischen Art die Dinge beim Namen nennt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Womit er das ausspricht, was Vielen schon lange auf dem Herzen liegt, es aber nicht so pointiert formulieren können wie er.

Die Fallschilderungen aus der langjährigen Praxis des erfahrenen Psychologen machen das Thema anschaulich und greifbar. Fast jeder betroffene Leser/jede betroffene Leserin dürfte seinen/ihren Fall wiederfinden.

Ohne viel verraten zu wollen, kann soviel gesagt werden, dass ein wichtiger Punkt das Stärken von Jungen ist – auch derjenigen, die stark zu sein scheinen, indem sie durch unangepasstes Verhalten zu Vorbildern für die anderen Jungen geworden sind.

Dies zeigt, dass sich der Autor nicht durch Zwang zur politischen Korrektheit in seiner Meinung beeinflussen lässt. Steht doch bis heute noch immer die Sozialisierung im Focus geschlechterspezifischer Erziehung von Jungen. Auch heute noch wird mit Jungen Täterarbeit gemacht, egal ob sie Täter sind oder nicht. Jungentypische Verhaltensweisen gelten als defizitär. Sanktionieren, beschämen und umerziehen lautet heute noch die gängige Formel für die „richtige“ Erziehung von Jungen. Es ist eine Formel, die nicht geeignet ist, Jungen von ihrem Verliererkurs abzubringen. Die Fakten belegen das.

„Kleine Jungs – Große Not“ ist deshalb ein Buch für Menschen, die Jungen wirklich helfen wollen und nicht nur die Not der Jungen benutzen wollen, um ihre ideologischen Ideen zu verbreiten.

Der Autor sieht Jungen nicht als Täter oder als latente Verbrecher. Er will Jungen verstehen. Er will ergründen, warum Jungen so sind wie sie sind, fernab von den gängigen feministischen, misandrischen Klischees.

Die Gesellschaft ist hektischer und oberflächlicher geworden. Das hat auch erheblichen Einfluss auf die Psyche der Kinder. Kinder können darin nur bestehen, wenn wir sie stärken, Jungen ebenso wie Mädchen.

Das Buch ist eine Stimme für die Jungen und eine Anklage gegen die zunehmende Lieblosigkeit unserer Gesellschaft, die sich vordergründig doch so kinderfreundlich gibt. Es ist ein Plädoyer für eine bedingungslose Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern. Eine Liebe, die durch eine zunehmende Verstaatlichung der Kindererziehung nicht ersetzt werden kann.

„Kleine Jungs – große Not“ von Wolfgang Bergmann,
Beltz Taschenbuch, 2008 Beltz Verlag, Weinheim und Basel, ISBN: 978-3-407-22898-7, 179 Seiten, 12,90 €

Arne Hoffmann: "Männerbeben"



„Männerbeben“ - so heißt das zweite Buch von Arne Hoffmann zum Thema Männerrechte. Das erste löste in einschlägigen Kreisen genau ein solches Beben aus: Mit „Sind Frauen bessere Menschen?“ legte er 2001 mit den Grundstein für das Erstarken der deutschen Männerbewegung. Das Werk machte vielen Männern den Ernst der Lage überhaupt erst klar, lieferte zudem die Fakten und Argumente, auf die unsereins seitdem zurückgreift, um Staatsfeminismus, Männerfeindlichkeit und Frauenbevorzugung zu bekämpfen.

Seitdem sind sechs Jahre ins Land gegangen. Sechs Jahre, in denen sich die Situation zwar noch nicht grundlegend geändert hat. In denen die Probleme von Jungen und Männern jedoch langsam aber sicher in das Bewusstsein von Medien, Politik und Öffentlichkeit eindringen.

„Männerbeben“ dokumentiert und würdigt diese Fortschritte. Insbesondere Kapitel 7 im ersten Teil (welcher überschrieben ist mit „Der Geschlechterkampf im neuen Jahrtausend“ und der eine aktualisierte Bestandsaufnahme der Situation liefert) zeigt auf immerhin vierzig Seiten auf, wie viele kleine, aber beachtliche und wichtige Erfolge die Männerrechtsbewegung bereits erzielen konnte. Als Beispiele seien hier genannt die Gründung von Organisationen, die sich für Jungen- und Männerbelange einsetzen oder der öffentliche Protest von Männern gegen Pläne des Justizministeriums, selbstbestimmte Vaterschaftstest unter Strafe zu stellen.

Im zweiten Teil des Buches („Wir Pioniere“) sind Interviews wiedergegeben, die Arne Hoffmann mit verschiedenen Männern und Frauen geführt hat, die sich für Männerrechte einsetzen. So erhält der Leser Einblick in verschiedenste persönliche Sichtweisen, die das dröge Thema Geschlechterpolitik jenseits von aller Abstraktion greifbar und erlebbar machen.

Das Buch enthält, wie schon sein Vorgänger, eine Reihe von belegten und mit Quellen versehenen Zitaten und Fakten. Leider hat es auch den gleichen Fehler wie dieser Vorgänger – es fehlt ein Sachwort- und Personenregister. Gerade für eine solche Faktensammlung, die Vielen wieder als Nachschlagewerk dienen wird, wäre ein Register unentbehrlich. Jammerschade, dass das bei dem doch recht ansehnlichen Preis des Buches (26,90 €) nicht mehr mit drin war.

Arne Hoffmann betont in seinem Buch die Wichtigkeit des neuen Mediums Internet, die das Entstehen einer parteiischen Männerbewegung überhaupt erst möglich gemacht hat. Vielleicht betont er hier und da einzelne Meinungen aus Postings verschiedener Foren zu sehr und räumt manch extremem Anti-Maskulisten mit seinen abgedrehten Ansichten weit mehr Bedeutung ein, als dieser verdient hat. Als Dokumentation des gesellschaftlichen und medialen Umfeldes, in welchem sich die Männerrechtsbewegung ihren Standpunkt erst erkämpfen muss, ergibt die Wiedergabe solcher Auswüchse jedoch einen gewissen Sinn.

Insgesamt ist "Männerbeben" ein äußerst lesenwertes Buch für alle, die sich für Geschlechterpolitik aus männlicher Sicht interessieren. Es ist politisch erfreulich unkorrekt, kennt keine Tabus und entzaubert ein feministisches Dogma nach dem anderen. Es verschweigt auch nicht die Schattenseiten der maskulistischen Bewegung, beschreibt deren Ohnmacht gegenüber dem feministischen Machtapparat und gibt die internen Richtungsdiskussionen der Männerrechtsbewegung wieder.

Wer „Sind Frauen bessere Menschen?“ verpasst hat und sich kompetent, sachlich und faktenbasiert über das Thema Männerrechte informieren möchte, für den ist „Männerbeben“ ein ebenso unentbehrliches Buch wie für denjenigen, der Arne Hoffmanns Standardwerk zwar kennt, aber gerne wissen möchte, was sich seitdem so alles getan hat. Und das, so erfährt der geneigte Leser, ist eine ganze Menge.

Arne Hoffmann: Männerbeben, broschiert, Verlag Lichtschlag, 26,90 €, 480 Seiten, ISBN 3939562033.

Gewalt gegen Männer



Wann immer in den Medien über Gewalt gegen Frauen berichtet wird, fehlt in kaum einem Bericht der Satz, es handele sich hierbei um ein Tabuthema. Aber kann man etwas, über das man täglich irgendwo etwas in der Zeitung lesen oder sich im Fernsehen informieren kann, wirklich noch als Tabuthema bezeichnen? Wohl kaum.
Wenn es so etwas überhaupt noch gibt, dann trifft dies sicherlich auf jene Gewalt zu, von der Männer betroffen sind. Als Opfer, wohlgemerkt. Bei aller gewollten Fokussierung auf die klassische Opferrolle der Frau durch Medien, Politik und feministische Interessengruppen "vergisst" man den Umstand, dass auch Männer durchaus unter Gewalt leiden können, leider allzu gerne. Nur langsam dringen Erkenntnisse, die dem gewohnten Klischeebild widersprechen, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit vor.

Vor kurzem erschien nun ein Buch, das sich der Thematik eingehend widmet und jedem ans Herz gelegt werden kann, der sich näher mit ihr beschäftigen möchte: "Gewalt gegen Männer - Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland" von Ludger Jungnitz, Hans-Joachim Lenz, Ralf Puchert, Henry Puhe und Willi Walter (Hrsg.), erschienen im Verlag Barbara Budrich, 312 Seiten, 28 €.
Dieses Buch beruht auf den Ergebnissen der Pilotstudie "Gewalt gegen Männer", die im Jahre 2002 durch das Bundes-Familienministerium in Auftrag gegeben wurde. Für mehr als eine nicht repräsentative Pilotstudie fehlte es seinerzeit offenbar am politischen Willen, während die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen auf der Agenda aller Familienministerinnen stets an oberster Stelle steht und großzügig finanziert wird.
Übrigens: Auf Anfrage von MANNdat teilte uns das Ministerium vor kurzem mit, dass eine repräsentative Studie, die die Gewalt gegen Männer genauer erforscht, nicht geplant sei.

So eingeschränkt die Aussagekraft der Ergebnisse von Interviews mit lediglich 266 zufällig ausgewählten Männern auch sein mag, so gibt die Studie dennoch wichtige Anhaltspunkte, die - so bleibt zu hoffen - irgendwann einmal die politisch Verantwortlichen dazu bewegen werden, sich der Bekämpfung von Gewalt ohne Berücksichtigung des Geschlechts von Täter und Opfer anzunehmen.
In seiner Gliederung orientiert sich das vorliegende Buch an der damaligen Pilotstudie und thematisiert in vier Kapiteln die Gewalt gegen Männer in Kindheit und Jugend, im Kontext von Krieg und Wehr-/Zivildienst, als Erwachsene sowie in "besonderen Gewaltkontexten" (wozu etwa Gewalt gegen Strafgefangene, Homosexuelle und Behinderte gehört, aber auch die Problematik der Beschneidung). Das abschließende fünfte Kapitel ist Schlussfolgerungen, Empfehlungen und einer Diskussion gewidmet. Im Gegensatz zur Studie wurde der Gewalt gegen Jungen und Männer in kriegerischen Konflikten sowie im Wehr- und Zivildienst ein eigenes Kapitel eingeräumt.

Um möglichst alle Facetten von Gewalt, denen Männer ausgesetzt sind, untersuchen zu können, sind die meisten Kapitel und Unterkapitel noch einmal unterteilt in Abhandlungen über körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt. Eine Aufteilung, die sich als durchweg sinnvoll erweist, an der die Verfasser aber nicht zwanghaft festhalten. So werden im Kapitel "Gewalt in kriegerischen Konflikten" auch die Themen Kriegskindheit und Flucht/Vertreibung behandelt, im Kapitel "Gewalt gegen Männer in der Arbeitswelt" wiederum die Problematik des Mobbing. Ausführliche Auszüge aus Interviews mit den Betroffenen, Tabellen, Schaubilder sowie zahlreiche Verweise zu weiterführender wissenschaftlicher Literatur vertiefen die Thematik und bieten wertvolle Ansatzpunkte für weitere eigene Studien zu den einzelnen im Buch behandelten Themenkomplexen.

Für Männerrechtler naturgemäß besonders interessant ist das Kapitel "Gewalt in Lebensgemeinschaften", in dem u.a. auch Gewalt in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, gegen alte Männer, gegen Männer in Trennungssituationen, durch Kinder sowie das sogenannte Stalking angesprochen werden. Einen Schwerpunkt bildet jedoch die Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Partnerschaften, ausgeübt durch Frauen.
Wie bekannt sein dürfte, ergab die Pilotstudie "Gewalt gegen Männer", dass etwa jedem vierten der befragten Männer schon mindestens einmal ein Akt körperlicher Gewalt durch eine Lebenspartnerin widerfahren war. Da Studien, die sich mit Gewalt gegen Frauen beschäftigen, zu ähnlichen Größenordnungen kamen, liegt die Vermutung nahe, dass sich Frauen und Männer hinsichtlich der Ausübung von Gewalt gegen das jeweils andere Geschlecht in quantitativer Hinsicht nicht sonderlich voneinander unterscheiden.

Ob das wirklich so ist oder nicht, darüber gibt es in der wissenschaftliche Forschung unterschiedliche Auffassungen. Eine Vielzahl internationaler Studien und Literaturarbeiten hat für den westlichen Kulturkreis jedoch eine etwaige Gleichverteilung der Geschlechter bei der Ausübung häuslicher Gewalt festgestellt.
Wenngleich die Autoren des vorliegenden Buches hierzu nicht eindeutig Stellung beziehen können und wollen - sie verweisen zu Recht darauf, dass es hierzulande an einer repräsentativen Studie zu Gewaltwiderfahrnissen von Männern fehlt -, so ist doch deutlich herauszulesen, dass sie den weit verbreiteten, feministisch inspirierten Darstellungen, wonach Gewalt in Beziehungen grundsätzlich vom Mann ausgehe, sehr distanziert gegenüber stehen. Sie sagen aber auch deutlich, dass ihnen eine qualitative Gleichsetzung von Männer- und Frauengewalt "zum jetzigen Zeitpunkt und mit der heutigen Datenlage nicht für seriös begründbar" erscheint. Allerdings sei auch die gegenteilige Aussage, Gewalt von Frauen gegen Männer sei ein weniger wichtiges Problem, unangemessen und nicht stichhaltig belegbar. Auch hier fehle es noch an qualifizierter Forschung.

Als erfreulich kann festgehalten werden, dass sich die Autoren dieses Buches einer durchweg verständlichen Sprache bedienen und auf Soziologen-Kauderwelsch und allzu abgehobenes Wissenschafts-Chinesisch verzichten. Warum sie allerdings meinen, durchweg auf das ärgerliche "Binnen-I" (TäterInnen, ExpertInnen usw.) zurückgreifen zu müssen, bleibt einem schleierhaft.

Willi Walter (Hrsg.) et al.: Gewalt gegen Männer, broschiert, Verlag Barbara Budrich, 28,00 €, 312 Seiten, ISBN 3866490097.
 

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